At The Gates AtWarWithRealitynb mehrfachwertungBegeisterung machte sich breit, als bekannt wurde, dass AT THE GATES neben ihren Reunion- und Festivalauftritten auch noch eine neue Platte planen. Nun ist es endlich soweit, und der lang ersehnte Nachfolger nach „Slaughter Of The Soul" ist nach knapp 20 Jahren endlich fertig gestellt. Die Erwartungen sind entsprechend hoch, denn dieses letzte Album ließ die Schweden damals in den Death-Metal-Himmel schießen, denn ihre Mixtur aus brutaler Härte und wunderschönen Melodien zu zweistimmigen Riffs prägte Mitte der Neunziger den harten skandinavischen Ton.

Jetzt sind bereits zwei Dekaden vergangen, und die metallische Musikwelt hat viel erlebt und einige Wandel durchgemacht. Viele stilistische Standards wurden seit damals verworfen, und manche haben sich durch all die Jahre wacker gehalten oder sind ins neue Jahrtausend mitgenommen bzw. neu definiert worden.
Welche Gründe nun genau vorherrschten, die die Band 1995 zur Trennung bewegte, ist weiterhin nicht eindeutig. Lag es am gewaltigen Sprung nach vorne in der Death Metal Liga mit ihrem vierten Album? Lag es an persönlichen oder musikalischen Differenzen? Hatte man sich durch zahlreiche andere Projekte zu sehr verzettelt? Oder fürchtete man sogar den enormen Druck, den der Erfolg von „Slaughter Of The Soul" für die Band bedeutete? Die Liebe zur Musik nahm auf keinen Fall ab, denn diesbezüglich spricht die Teilnahme an Bands wie THE HAUNTED, THE CROWN, DISFEAR, LOCK UP und etlichen mehr ihre ganz klare Sprache, wobei gerade Frontshouter Tomas Lindberg immer wieder Präsenz zeigte, und das in diversen musikalischen Formen. Das macht sich in seiner etwas differenzierten Gesangsform deutlich, denn er singt nun nicht konstant auf einem Level, sondern verleiht der Stimme in Richtung Growling etwas mehr Tiefe und Anspruch.

Der enorme Zuspruch der Fans sowie die andauernde Lobpreisung des Abschiedalbums ließ AT THE GATES 2008 wieder ins Leben rufen, allerdings ohne ein neues Album in Erwägung zu ziehen. Jedoch lassen die enthusiastischen Reaktionen die Musiker natürlich nicht unberührt, und so wird die einstige Fiktion, wieder ins Studio zu gehen, heute zur Realität.
So lassen wir also gespannt die ersten Minuten von „At War With Reality" rotieren. Zuvor kann das etwas abstrakt anmutende Cover uns noch keinen Aufschluss geben, ob hier musikalisch an die Glanzzeiten angeknüpft wird oder neue Wege beschritten werden.

Die ersten Eindrücke lassen einem fast die dunklen Freudentränen in die Augen schießen. Nach einem kurzen gesprochenen Intro macht sich die ach so vermisste AT THE GATES – Atmosphäre schnell breit, und die Erinnerungen an das letzte Album werden ganz schnell sehr präsent.
Leider nimmt dieser Eindruck schon zum vierten Song hin ab, das Feuer brennt kleiner und droht zu verglimmen. Was ist los? Ist das Pulver schon verschossen oder wiederholt man sich? Der Verlauf des Albums wirkt irgendwann berechenbar bzw. vorhersehbar. Eine genaue Analyse kann ich noch nicht geben, aber die Spannungskurve hält im weiteren Verlauf ihren linearen Stillstand bei, nur noch kurz kommt eine Spannungsspitze auf, dann stellt sich wieder ein wenig die Belanglosigkeit ein. Auch wenn „Heroes And Tombs" als Hymne verstanden werden kann und „The Conspiracy Of The Blind" als so typisch AT THE GATES durchgeht, so kann sich die Begeisterung beileibe nicht über die gesamte Albumlänge von über 44 Minuten halten. Vielleicht war das anfängliche Konzept, immer nur kurze Alben zu veröffentlichen, gar nicht mal so schlecht.

Ich will noch nicht mal behaupten, dass das Album irgendwelche Lückenfüller hat, alle Songs sind sehr typisch, aber die vielen Midtempo-Songs sowie die doch recht oft und lang andauernden Clean- und Akustikparts trüben vielleicht etwas zu sehr die Stimmung. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass man zum einen die Euphorie von damals nicht mehr reproduzieren kann, zum anderen in der langen Zwischenzeit so viele andere Bands diesen Stil zelebriert haben, dass man nicht mehr so überwältigt wird wie damals, als diese innovative Mixtur noch mehr begeisterte. Wenn man sich allerdings Tracks wie „Death And The Labyrinth" oder „Upon Pillars Of Dust" anhört, wird einem doch klar, wer dieses Genre des Melodic Death geprägt hat und wer durch Melodien nichts an Härte im Death-Faktor eingebüßt hat.

Bis auf einige Durchhänger in der Albummitte kann man also getrost von einem würdigen Album reden, wenn es vielleicht auch manch einer nicht als Nachfolger von „Slaughter Of The Soul" anerkennen kann oder will. Aber so ist das nun mal in unserer modernen schnelllebigen Welt; was einst so einzigartig und innovativ galt, ist mittlerweile immer kurzlebiger und geht in der Flut von auf uns einprasselnden Angeboten unter, es sei denn man hat einen gewissen Status, den AT THE GATES meines Erachtens immer noch inne haben, auch nach dieser langen Pause. Sollte es noch ein weiteres Album geben, kann dies vielleicht schon wieder die Erwartungen übertreffen. (Jochen)

 

Bewertung: 7 / 10


Anzahl der Songs: 13
Spielzeit: 44:24 min
Label: Century Media
Veröffentlichungstermin: 24.10.2014

Wertung der Redaktion
Anne Katha Andreas Matthias Maik Klaus Seb
6 8 6,5 7,5 6 8 6
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