toto XIVMehrfach-Wertungder RedaktionEs tat sich wieder etwas im Lager von TOTO, nachdem es im letzten Jahr ruhig um die Band war. Leider waren es keine guten News, denn Simon Phillips verließ nach 22 Jahren die Melodic Rocktitanen und wurde vom ehemaligen STING-Drummer Keith Carlock ersetzt. Dazu verstarb vor wenigen Tagen noch der frühere Bassist Mike Porcaro, der schon lange an ALS litt; er ist damit der zweite der Porcaro-Brüder, der viel zu früh von uns gegangen ist. Sein Nachfolger Nathan East nahm ebenfalls seinen Hut, für ihn kehrte Gründungsmitglied Dave Hungate zurück. Glücklicherweise gibt es auch positive Neuigkeiten, die Tourpause wurde nämlich als Studioaufenthalt genutzt. Daraus entsprang "XIV", das erste Werk der Band seit fast zehn Jahren, mit dem sie an ihre alten Glanztage anknüpfen will.

Die neu formierte Rhythmusfraktion macht zu Beginn mächtig Alarm, schafft beim Opener ein Fundament, das stark an "Wild Side" von MÖTLEY CRÜE erinnert. Auch von Lukathers Gitarrensalven her bietet "Running Out Of Time" lupenreinen Hardrock, der von einem süffigen Refrain gekrönt wird. So rockig geht es sonst nur noch auf dem schon etwas lockeren "Holy War" zu. Doch hier haben die tollen Gesangsharmonien, mit denen das ganze Album gespickt ist, die Oberhand gewonnen.
Das hindert Steve Lukather nicht daran, ein paar Mal mit seiner Axt dazwischen zu schießen. Im Mittelteil duelliert er sich großartig mit den Synths von Steve Porcaro, dem letzten Verbleibenden der drei Brüder. In den Achtzigern war er maßgeblich an der Entwicklung der digitalen Synthesizer beteiligt, vornehmlich dem Yamaha XS-80, was er hier klanglich durchscheinen lässt. Was die beiden hier veranstalten, hat etwas von YES in seligen "90125"-Zeiten.

Noch stärker in den progressiven Fokus rückt die Schlussnummer "Great Expectations", bei der flirrende Akustikgitarren wunderbar mit heftigen Riffschüben und bombastischen Keyboardharmonien zwischen Porcaro und Pianist David Paich verschmelzen. Der vielschichtigste Titel klingt zwar nach den Achtzigern ist aber mehr Prog, als alles was YES auf ihrem letzten Machwerk veranstalten, Lukather und Porcaro spielen sich erneut die Bälle meisterhaft zu. In die bombastisch ausufernde Kerbe schlägt auch das melancholische "Unknown Soldier". Mit seinen getragenen Akustikgitarren und symphonischen Elementen könnte es auch von den Labelkolegen ASIA stammen.

TOTO sind immer dann am stärksten, wenn sie ihre eingängigen Melodien mit anspruchsvollen Arrangements paaren. Wie sie ruhige Parts mit kurzen knackigen Breaks explodieren lassen, ist einfach großartig. Etwa im vorab als Video veröffentlichten "Orphan", dessen hochmelodische Strophe von jazzigen Drums in einen poppigen Refrain übergeleitet wird. Hier stellt auch Joseph Williams sein unglaublich klares Organ unter Beweis.
In "Chinatown" liefert er sich zu Beginn ein wunderbares Duett mit Paich, welches ebenfalls von exakt getimten Arrangements in Szene gesetzt wird. Mündet das Stück noch in einen lässigen jazzigen Chorus, so herrschen beim anfangs sehr ruhigen, pianodominierten "Burn" wuchtige Drums im Refrain. Der ist ein weiterer Beweis für das phantastische Zusammenspiel der verschiedenen Vokalisten der Band.

Auf "XIV" wird wieder die komplette Bandbreite ihres Universums aufgefahren, alle Facetten werden abgedeckt. An die Power Pop-Herrlichkeit der Eighties kommen sie nicht ganz heran, dazu agieren sie heute zu erdig. Glücklicherweise versuchen sie nicht mit aller Macht härter klingen zu wollen wie beim letzten Werk "Falling In Between". Am ehesten kann man die Scheibe in den Neunzigern verorten. Da haben sich die Herren ein paar arg soulige Ausrutscher geleistet.
In "21st Century" gelingt ihnen der Spagat noch ganz gut, der stoische Basslauf verbreitet ebenso bluesiges Feeling wie die vielen geschickt eingeflochtenen Licks von Lukather. Dazu demonstrieren sie hier das tolle Jazzverständnis, welches schon immer eine tragende Säule in ihrem Sound war, teilweise entdeckt man auch den Funk solcher Klassiker wie "Georgy Porgy". Doch in Titeln wie "The Little Things" überspannt man den Bogen, driftet in zeitgemäße R´n´B-Gefilde ab. So etwas könnte heute noch am Radio laufen, das ist leider nicht als Kompliment gemeint.

Als weiteren Schwachpunkt muss man den Mix ausmachen, der direkt und am Livesound orientiert daher kommen soll. Doch gut gemeint ist nicht immer gut, die Tiefe, welche die vielen Details hervor hebt, stimmt zwar, aber irgendwie klingt manches etwas dumpf. Es sind jedoch diese vielen kleinen Ideen, welche "XIV" über einen längeren Zeitraum interessant machen, als man braucht, um jede Melodie mitzusummen. Hier kommt das blinde Verständnis der absoluten Ausnahmemusiker zu Tragen, die jeden Ton so punktgenau platzieren, dass man nach so vielen Jahren immer noch staunen kann. Das wünschte man sich von TOTO und die liefern ab! (Pfälzer)

Bewertung: 8 / 10


Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 56:23 min
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin: 20.03.2015

Wertung der Redaktion
David Jannick Andreas Maik Anne Jochen Pascal
8 7 6,5 7,5 7 6,5 7
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