Drucken

 

powerwolf blessedandpossessed

mehrfach-soloMit dem letzen Album „Preachers Of The Night“ gingen POWERWOLF durch die Decke und schafften es, von 0 auf Platz 1 in die deutschen Charts einzusteigen. Doch wer die Truppe kennt, weiß, daß hinter diesem Erfolg jahrelange harte Arbeit steckt und daher gönne ich der Band diesen Triumpf von ganzem Herzen. Es folgten größere Konzerte, bessere Slots auf Festivals und nun das Nachfolgealbum, das sich an der hohen Latte messen lassen muß, die die Band vor zwei Jahren mit „Preachers Of The Night“ gelegt hat.

Mit dem Erfolg wachsen die Erwartungen und es wird immer schwerer, diese Erwartungen zu erfüllen. Wollen wir mal sehen, wie POWERWOLF sich bei dieser Aufgabe bewähren. Der Opener, der zugleich der Titelsong ist, beginnt genau wie „Amen & Attack“ auf dem letzen Scheibe – das ist so offensichtlich, das kann nur Absicht sein und verbindet die beiden Alben von der ersten Sekunde an. Wobei mir der Song dann insgesamt zu sehr auf Nummer sicher klingt. Etwas einfallsreicher hätte es schon sein dürfen. Dafür ist der Sound aber herrlich druckvoll und klar.

Was ich auf dieser Scheibe ein wenig vermisse ist der POWERWOLF’sche Humor, der uns in der Vergangenheit Perlen wie „Resurrection By Erection“ oder „Coleus Sanctus“ bescherte. Natürlich versteckt sich der eine oder andere Spaß in den Texten, aber weniger offensichtlich. Was es aber immer noch gibt, sind die POWERWOLF-Mitsinghymnen, die zwar recht simpel gestrickt sind, aber eben gerade deshalb Spaß machen, wie z.B. „Dead Until Dark“ oder „Army Of The Night“.

Beim russisch angehauchten „Armata Strigoi“ honoriert man wie schon auf dem letzten Album die russischen Fans – und hat auch eine kleine russische Weise eingeflochten – die allerdings Erinnerungen an Sternstunden deutscher Musikgeschichte wie „Dschingis Khan“ weckt (und irgendwie klingt es auch wie eine schnellere Version von KRAFTWERKs „Das Model“).

Auch bei „We Are The Wild“ hat man ein Déjà-vu-Erlebnis, wozu der Text natürlich auch noch beiträgt. Man ist doch immer versucht, „Sacred & Wild“ mitzusingen. Das ist mir persönlich dann doch ein wenig too much, auch wenn der Song an sich alles andere als schlecht ist und live sicher gut ankommt. Dafür ist „Christ & Combat“ wieder etwas lustiger geraten und begeistert mit herrlich bescheuerten Chören. Bis auf ein durchaus interessantes Gitarrenzwischenspiel klingt der Song aber auch, als hätte sich die Band selbst gecovert.

„Sanctus Dominus“ ist mein persönlicher Tiefpunkt der Scheibe, der eigentlich nur von Attilas genialem Gesang gerettet wird. Dafür bin ich mir bei „Sacramentum Sister“ jetzt nicht sicher, ob das der von mir so vehement zwecks Gleichberechtigung geforderte Frauensong ist. Wobei doppeldeutige Zeilen wie „Bow down my sister“ da wohl eher in die Gegenrichtung deuten. Hm. Immerhin mal ein Song, der auch mit neuen - schönen – Elementen aufwarten kann.

Ach, und da versteckt sich am Ende der Platte mit „All You Can Bleed“ doch noch ein lustiger Titel. Auch wenn man bei diesem Song auch wieder arg an alte Scheiben der Saarländer erinnert wird, hat der Song irgendwie was. Und irgendwie auch nicht. Nochmal hm.

Das wahre Juwel dieses Albums jedoch versteckt sich ganz am Schluß. Das über 7 Minuten lange (ok, einschließlich Outro) „Let There Be Night“ ist eine fantastische Hymne an die Nacht, in der Attila so richtig zeigt, was er kann. Und das ist nicht von schlechten Eltern (aber das weiß man als Fan des Fünfers ja schon). Garniert wird das Ganze mit allerlei Soundsamples; seien es Wolfsgeheul, Glocken oder die – laut Matthew essentiellen – Krähen, aber auch Regen, Donner – das volle Programm eben. Dieser Song braucht etwas, bis er im Gehörgang angekommen ist, er ist nicht ganz so simpel gestrickt wie die restlichen Songs -  und wahrscheinlich mag ich ihn gerade deshalb so. Der Refrain ist ein absoluter Ohrwurm und der Song wäre ein toller Abschluss für ein POWERWOLF-Konzert. Ich hoffe wirklich, dass es dieser großartige Song in die Livesetlist schafft.

Alles in allem muß ich aber doch sagen, daß ich „Blessed & Possessed“ ein klein wenig enttäuschend finde (auch wenn das zugegebenermaßen Jammern auf sehr hohem Niveau ist). Klar, die Band hat ihren doch recht eng gesteckten thematischen Rahmen und es ist schwer, innerhalb dieses Rahmens dann noch kreativ zu agieren und sich auf jeder Platte neu zu erfinden (was davon abgesehen ja auch gar nicht das Ziel der Band ist). Natürlich klingen alle POWERWOLF-Alben recht ähnlich und selbstverständlich sprechen wir hier nicht über Prog Metal.

Aber auf diesem Album habe ich doch etwas zu viele Déjà-Vu-Erlebnisse. Zu oft hat man das Gefühl „den Song kenne ich doch!“. Zu häufig werden hier Melodien recycelt, die man von den vorhergehenden Alben schon kennt und manchmal hat man das Gefühl, daß sich die Band gerade selbst covert. Außerdem fehlen mir die richtigen Ohrwurmsongs. Außer „Let There Be Night“ kann mich eigentlich kein Song so wirklich vom Hocker reißen. Obwohl man jetzt auch nicht behaupten kann, dass auch nur ein Song dieses Albums schlecht wäre.

Dafür gibt es ja aber auch noch den wirklich formidablen Sound, der nochmal einen Ticken besser und druckvoller als auf der letzten Platte geraten ist. Und auch Attila Dorn kann noch mehr begeistern als bisher schon, manche Songs werden alleine durch seine Leistung noch besser. Auch wenn ich persönlich diese Scheibe nicht so großartig wie ihre Vorgänger finde, wird jeder POWERWOLF-Fan mit dieser Platte aber einen Heidenspaß haben. Und das sei ihnen gegönnt. Und „Blessed & Possessed“ hin oder her – mich wird man beim nächsten Konzert auch wieder treffen, denn live ist die Band eine absolute Macht. (Anne)

 

Bewertung: 7 / 10


Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 45:42 min
Label: Napalm Records
Veröffentlichungstermin: 17.07.2015

Wertung der Redaktion
Maik Matthias Klaus Dirk Pascal Andreas Rainer
8 6,5 8 7,5 8  6 7,5
Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter
heavy heavy   power power  
Anmelden